Kampnagel-SPIELZEIT 2015/16
Kampnagel eröffnet mit spartenübergreifendem Programm afrikanischer Künstler, zeigt neue Arbeiten internationaler Stars, macht Postkolonialismus immer wieder zum Thema und setzt Länderschwerpunkte auf Russland und Brasilien
Mit der Musiktheaterproduktion MACBETH des südafrikanischen Theatermachers Brett Bailey eröffnet Kampnagel die Spielzeit 2015/16 und startet gleichzeitig das Festival WE DON’T CONTEMPORARY, das vom 24. September bis zum 3. Oktober Arbeiten von Künstlern aus verschiedenen afrikanischen Ländern präsentiert. Um die europäische Sicht auf zeitgenössische Kunst aus Afrika in Frage zu stellen, waren Experten aus Ghana, Tunesien und Burkina Faso eingeladen, gemeinsam mit Kampnagel ein Programm aus Tanz, Theater, Performance, Film, Musik und eine Vortragreihe über Postkolonialismus zu kuratieren, um verschiedene Sichtweisen zu repräsentieren. U.a. mit deutschen Erstaufführungen des tunesischen Choreografenduos Aïcha M’Barek und Hafiz Dhaou, dessen neues Stück SACRÉ PRINTEMPS! weniger von Strawinskys Frühlingsopfer als vielmehr von eigenen Erfahrungen während des arabischen Frühlings inspiriert ist. Aus Marokko ist Bouchra Ouizguen zu Gast, deren Arbeiten OTTOF und CORBEAUX ebenfalls zum ersten Mal in Deutschland zu sehen sein werden. Bouchra Ouizguen arbeitet seit einigen Jahren mit einem Ensemble aus ehemaligen Nachtclubsängerinnen, sogenannten Aitas. deren Stimmen und Körperbewusstsein nicht nur politische Kraft haben, sondern auch eine überwältigende Bühnenpräsenz.
Postkolonialismus ist ein Thema, das während der gesamten Spielzeit in verschiedenen Produktionen eine Rolle spielt, beispielsweise in der Arbeit des seit vielen Jahren erfolgreich auf Kampnagel arbeitenden Regie-Duos Gintersdorfer/Klaßen, das mit mehreren Produktionen, u.a. der Uraufführung von DER BOTSCHAFTER, auf Kampnagel sein wird, einer Arbeit, die den Spuren zweier ehemaliger deutscher Botschafter in der Elfenbeinküste folgt. Ein „folkoloniales Spektakel“ nennen der Berliner Choreograf Jochen Roller und die samoanische Performancekünstlerin Yuki Kihara ihre neue Arbeit THEM AND US, die im Oktober unterhaltsam erzählt, welche frappierenden Ähnlichkeiten zu ihren Traditionen drei samoanische Tänzer beim Deutschlandbesuch in der Bildenden Kunst, aktueller Clubkultur und traditioneller bayrischer Tanztechnik entdeckt haben. Das LIVE ART FESTIVAL im Juni lenkt dann den Blick auf Brasilien, um unter dem Titel TROPICAL CANNIBALISM die Kulturgeschichte und Philosophie der Anthropophagie (Menschenfresserei) in den Mittelpunkt zu stellen.
Die aktuellen Flüchtlings- und Migrationsströme nach Europa bleiben auch in der kommenden Spielzeit ein übergreifendes Thema. Die seit vielen Jahren in Hamburg mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen arbeitende Gruppe Hajusom kommt im März mit einem neuen Stück; das von dem bosnischen Regisseur Branko Simic kuratierte Festival KRASS geht im Februar in die
vierte Auflage und lässt erneut Menschen mit verschiedenen kulturellen Hintergründen aufeinander stoßen. Ebenso fortgesetzt wird die Arbeit mit der Gruppe Lampedusa in Hamburg und das Gebäude der ehemaligen EcoFavela steht auch zukünftig als Aktionsraum für Geflüchtete zur Verfügung.
Vom 25. November bis zum 5.Dezember findet zum dritten Mal das NORDWIND Festival auf Kampnagel statt, das 2015 neben Produktionen aus Skandinavien einen Fokus auf aktuelle Kunst aus Russland setzt, u.a. mit der Deutschlandpremiere OH! SPÄTE LIEBE des russischen Starregisseurs Dmitrij Krymow und der weltweit ersten Retrospektive zum Werk von Skandalkünstler Pjotr Pawlenski.
Zu den großen internationalen Gastspielen in der kommenden Spielzeit gehören außerdem eine neue Arbeit der südafrikanischen Choreografin Dada Masilo. Sie war zuletzt 2014 mit ihrer eigenwilligen Schwanensee-Interpretation auf Kampnagel zu Gast und kreiert im Dezember mit CARMEN erneut eine explosive Fusion aus afrikanischem Tanz und klassischem Ballett. Anne Teresa de Keersmaeker, eine der einflussreichsten Erneuerinnen des zeitgenössischen Tanzes, ist im Februar mit ihrer Shakespeare-Adaption GOLDEN HOURS [AS YOU LIKE IT] auf Kampnagel zu sehen und im März 2016 ebenfalls zurück ist Starchoreograf Hofesh Shechter mit SUN. Zum ersten Mal auf Kampnagel ist der indische Choreograf Mandeep Raikhy, der mit seinem Ensemble verschiedene Vorstellungen von Männlichkeit in seiner Heimat untersucht.
Kampnagel setzt seine kontinuierliche Zusammenarbeit mit vielen Hamburger Künstlerinnen und Künstlern fort, wie beispielsweise mit den Choreografinnen Antje Pfundtner und Jenny Beyer, den Musiktheatermachern Kommando Himmelfahrt sowie mit dem Performer Manuel Muerte. mit der Hamburg Kreativgesellschaft hat die Arbeit an einer Neuauflage von WORK IN PROGRESS, dem in Hamburg inzwischen fest etablierten Kongresses zur Zukunft der Arbeit begonnen.
Unter dem Label [k]Tunes präsentiert Kampnagel auch 2015/16 Jahr viele performative Konzerte und setzt etablierte Kooperationen wie das Überjazz Festival und die Neue Musik-Reihen Greatest Hits und Klub Katarakt fort.





