Humor und Subversion
Franz Reckert, Gerdt M. Siewert, Heinrich Schilinzky, Horst Villwock. Im Dialog dazu Arbeiten von Friederike Groß und Thorsten Brinkmann.
In diesem Jahr kann das Hamburger Forum für Künstlernachlässe sein 15-jähriges Bestehen feiern als eine der deutschlandweit führenden und ‚dienstältesten‘ Institutionen, die sich der Komplexität des Themas „Künstlernachlass“ widmen. Vor diesem Erfahrungshintergrund wurde dem Forum auch der Vorsitz des im letzten Jahr gegründeten Bundesverbandes Künstlernachlässe (BKN) angetragen. Durch regelmäßig stattfindende Forums-Präsentationen wird auf die Bedeutung des Erhalts eines reichen kulturellen Erbes aufmerksam gemacht, was in dieser Vielfalt darzustellen nur durch das Bewahren, Dokumentieren und Ausstellen bedeutender künstlerischer Vor- und Nachlässe möglich ist.
Gegenwartsrelevanz und Aktualität der bewahrten OEuvres spiegeln sich in der besonderen Themenausstellung Humor und Subversion wider, zu der wir Sie herzlich einladen möchten.
Die Vernissage findet am Sonntag, 15.04.18, um 11.30 Uhr im Künstlerhaus Sootbörn statt.
Mit Werken von Franz Reckert (1914-2004), Heinrich Schilinzky (1923-2009), Gerdt M. Siewert (1920-92) und Horst Villwock (1927-2012) wird Humor in vielen Facetten erfahrbar.
In über 30 Bildern, Grafiken und Zeichnungen reicht das Spektrum von ungewollter Komik und spielerischer Überzeichnung bis hin zu pointiert beißender Satire mit zeitkritischer Aussage. Schilinzky behält zeitlebens die Brüchigkeit der menschlichen Existenz kritisch, aber auch miteinem Augenzwinkern im Blick. Siewert etabliert für sich – angeregt u.a. durch seine Tätigkeit als Karikaturist bei Spontan und Pardon – die Satire als eine zentrale künstlerische Ausdrucksform. Villwocks Situationsbeobachtungen und Reckerts Sportlerbilder zeigen das beiläufig Komische, das grotesk Anmutende oder skurril Widersinnige im menschlichen Dasein und Alltag auf.
Durch den Anschlag auf Charlie Hebdo oder die seit jeher repressiven Maßnahmen gegen Satiriker und Karikaturisten wird die immerwährende Aktualität des Themenfeldes deutlich. Einen besonderen Höhepunkt bilden daher die im Dialog zu den Nachlässen gezeigten Arbeiten der renommierten Illustratorin und Karikaturistin Friederike Groß und des international tätigen Hamburger Künstlers Thorsten Brinkmann.
Friederike Groß gilt durch ihre jahrezehntelange Tätigkeit als Karikaturistin u.a. für die Stuttgarter Zeitung als eine der profundesten Kennerinnen der Satire-Szene. In einer mehrteiligen, eigens für diese Ausstellung konzipierten Figurencollage und einigen Zeichnungen bringt sie schneidenden Witz und gesellschaftkritisch relevanten Humor hervor und führt dabei einige Gedanken der Nachlass-Künstler fort.
Thorsten Brinkmanns Filme Se King (2009) und Beauty Duty (2014) runden die Präsentation ab. Mit seiner künstlerisch-spielerischen Arbeitsweise persifliert er kulturell etablierte, meistens jedoch unhinterfragte Herrschaftsattitüden, Posen, Rituale und Alltagsgewohnheiten und überführt sie mit der Offenlegung ihrer Widersinnigkeit ins Absurde.
Die Kunst des widerständigen Humors ist subversiv und gilt somit unter Herrschern, Despoten und Diktatoren als gefährlich, deren Herrschaftserhalt zumeist auf Angst und Schrecken gründet. Denn der Humor, Spott, Witz oder das Lachen nehmen die Angst und bringen Erkenntnisgewinn. Daher sind diese Ausdrucksformen in der Kunst zugleich sehr effektive, gewaltfreie ‚Waffen‘ zur Vernichtung von Angst und zur Ermöglichung eines freien, aufklärerischen Denkens. Spätestens seit Goya oder etwas später mit Daumier fürchten Menschenrechtsfeinde, Autoritäten und Würdenträger kaum etwas mehr als scharfzüngige Satire und das befreite Lachen eines angstfreien Menschen. Somit ist Humor eine unverzichtbare Komponente menschlichen Querdenkens und insbesondere in politisch bewegten Zeiten ein zentrales Moment für die immer wieder neu zu definierende Widerständigkeit des Menschen.
Bedeutend ist die aktuelle öffentliche Diskussion um die Bewahrung dieser besonderen Freiheit demokratischen Denkens im Hinblick auf das humoristische Handeln des „Homo subversivus“, was auch Thema beim „Gespräch in der Ausstellung“ (s.u.) sein wird.
Weitere Informationen zu Ausstellung und Begleitprogramm: Öffnungszeiten: 15.04. bis 29.04.18, jeweils Sa. 15-18.00 und So. 11-17.00 sowie nach Vereinbarung; der Eintritt ist frei.
Mittwoch, 18.04.18, 17.30-19.00: Humor in der Kunst; Gespräch in der Ausstellung mit Prof. Dr. Gora Jain und Gastkünstlerin Prof. Friederike Gro





