Die Kunst zwischen Freiheit und politischer Korrektheit
Podiumsdiskussion mit Georg Diez (DER SPIEGEL), Hanno Rauterberg (DIE ZEIT), Tina Uebel (Schriftstellerin) und Ulrich Waller (St. Pauli Theater).
Das Streben nach politischer Korrektheit treibt bisweilen merkwürdige Blüten. So berichtet die Süddeutsche Zeitung, dass nach einem Erlass der schwedischen Universität Lund Hochschullehrer künftig angehalten sind darauf zu achten, dass die in Seminaren verwendete Primär- und Sekundärliteratur zu wenigstens 40% von weiblichen Autoren stammt. Sicherlich gut gemeint, aber in für die Primärliteratur oft nicht nur wissenschaftsfeindlich, sondern – etwa bei Seminaren zum europäischen Faschismus der 1920er Jahre – kaum möglich. „Es gibt einfach zu wenige weibliche Faschisten. Und eine rückwirkend beanspruchte Frauenquote bedeutet, dass alle Geschichte eine Spiegelung feministisch geprägter Gegewart zu sein hat.
Und auch in der Kunst ist die Tendenz erkennbar, Werke – aktuelle wie historische – auf ihre politische Korrektheit hin zu überprüfen und zu bewerten. Darf etwa ein Kinderbuch aus den 1960er Jahren heute noch vorgelesen werden, auch wenn es von einer „Negerpronzessin“ berichtet? Oder muss es sprachlich „gesäubert“ werden?
Sollten Museen ihre Ausstellungen und Magazine auf die politische Korrektheit der Exponate hin durchforsten und sexistisch, rassistisch oder homophob anmutende Arbeiten entfernen – selbst wenn sie womöglich mehrere hundert Jahre alt und in ihrem historischen Kontext durchaus schlüssig sind? Ist die Besetzung schwarzer Rollen im Theater mit weißen Schauspielern weiterhin zu tolerieren? Dürfen weiße Maler schwarzes Elend malen? Sollten wir darauf achten, dass das Verhältnis der in den Museen gezeigten Arbeiten geschlechts- und hautfarbenspezifische Quoten erfüllt? Darf ein im Kino dargerstellter Neonazi über „Kanaken“ schimpfen? Und wer entscheidet eigentlich, sexistisch ist?
Die Diskussion um die Selbstbeschränkung der Kunst im Hinblick auf ihre politische Korrektheit beschäftigt in diesen Tagen Viele. Auffällig dabei: Waren es früher oft konservativ argumentierende Stimmen, die die Kunst in die Schranken des Bürgerlichen weisen wollten, sind es heute oft linke Aktivisten, die im Zuge des antirassistischen und antisexistischen Kampfes die Kunst auf Linie bringen wollen.
Wer hat Recht? Und hat überhaupt jemand Recht?
Die Podiumsdiskussion ist am 10. April um 19.00 Uhr in der Freien Akademie der Künste.





