Die 25. Ausgabe des „Hanse Rendezvous“: Hamburg diskutiert über die Unabhängigkeit der Kulturszene
„Wie unabhängig ist Hamburgs Kultur?“ Dies war eine derFragen, diegestern Abend beim „Hanse Rendezvous“ Macher und Multiplikatoren aus den Bereichen Musik, Film, Theater, Medien und Wirtschaftbeschäftigte. Rund 125 Gäste kamen im Winterhuder Fährhaus zusammen.
Die Gesprächsgäste Karsten Jahnke (Geschäftsführer, Karsten Jahnke Konzertdirektion), Corny Littmann(Geschäftsführer, Schmidts TIVOLI) und Lutz Marmor(Intendant, Norddeutscher Rundfunk) sprachen im Talk vor allem über die Vermarktung von Kultur, staatliche Kulturförderung und wie sich die Veranstaltungsbranche im Laufe der Zeit verändert hat. Auch dieAnschläge auf Paris waren beim „Hanse Rendezvous“ einThema, insbesondere dadie französische KulturinstitutionBataclandirekt betroffen war. Das Mitgefühl ist groß.
Lutz Marmor, seit 2008 Intendant des Norddeutschen Rundfunks, hat aufgrund der Attentate die Ausstrahlung des „Hamburg-Tatorts“verschoben. Mandürfe sich von den Ereignissen natürlich nicht kleinkriegen lassenund alles absagen, doch einen Krimi zu zeigen,in dem es inhaltlich um einen terroristischen Anschlag geht, wäre momentan nicht angebracht gewesen –so Marmors Begründung. Als Intendant des NDR sei seine Tätigkeit von Verantwortung geprägt. Obwohl er großen Einfluss habe, stelleer bei der Programmgestaltung seine persönlichen Interessen und Vorlieben zurück, denn entscheidend sei, was beiden Zuschauern funktioniert.Marmor spricht auch über die Gestaltung der Hamburger Kulturszene. „Kultur ist auch ein Standortfaktor“, findet er, und dafürmüsse immer etwas geleistet werden.
Corny Littmannist nicht nur Theatermacher, sondern auch als Schauspieler und Regisseur aktiv. Beim „Hanse Rendezvous“ nutzteer dieGelegenheit, sich als Talkgast für das Junge und Neue in der Kultur auszusprechen. „Was notwendig ist, ist dass das Innovative, das noch kein großes Publikum hat oder haben kann, gefördert wird, und zwar gezielt gefördert wird“. Genau das tut Littmannmit seinem kürzlich eröffnetenTheater„Schmidtchen“ und verfolgt damit ein bestimmtes Ziel: „Es muss einen Ort geben, wo junge Künstlerinnen und Künstler, die noch nicht so bekannt sind, die Möglichkeit bekommen, sich ihr Publikum zu erspielen.“ Aber auch abseits der Theaterbühne, nämlich im Bereich der Musik sollte es gezielte staatlicheFörderung geben, meint Littmann. Diese stünde insbesondere ganz vielen kleinen Kulturinitiativen zu, dieständig viel leisteten und die die Kulturszene Hamburgs so lebendig hielten. Dass er selbst ein gutes Händchen hat, was die Gestaltung der kulturellen Szene der Hansestadt anbelangt, demonstriert der Erfolg des St. Pauli Musicals „Heiße Ecke“:Seit 13 Jahren wird es aufgeführt und ist deshalb sein bisher größter Erfolg. (Foto: Michael Lang, Eva Hubert, Lutz Marmor – v.l.)





